Ubo´s Soeldner e.V. - Früh- und Spätmittelalterliches Reenactment 

 

Auf einigen Märkten wird zur Unterhaltung der Zuschauer und zum Spass für die Lagernden ein Schwertkampfturnier oder eine Feldschlacht ausgetragen.

Dazu wurde um 1999 rum ein Regelwerk entwickelt um unter anderem, Verletzungen zu vermeiden. 

Dieses Regelwerk nannte man schlicht Codex Belli - Regeln des Krieges.

Diese Regeln sagen aus welche Waffen eingesetzt werden dürfen und wie diese Waffen beschaffen sein müssen, welchen Mindestrüstungsschutz man benötigt, wie Schäge, Stiche oder Schüsse gesetzt werden dürfen.

Um es kurz zu sagen: Der Codex Belli war ein passendes Regelwerk für alle Wochenendkrieger, die am Montag wieder irgendwo in der Arbeit stehen müssen, oder es sich nicht leisten können oder wollen, sich den maximalen Schutz in Form einer Ritterrüstung zu kaufen.

Wochenendkrieger eben..so unkt es aus manch einer Ecke...

 

Meine persönliche Meinung dazu ist: Draufhauen kann jeder, der ein oder andere kann zugegebener Maßen weniger einstecken, aber man sollte aufpassen, den Codex Belli als Anfänger, bzw. Einsteiger Regelwerk zu belächeln. Denn den Kopf oder ein Gelenkt NICHT zu treffen, ist ab und zu schwerer, als stumpf dem anderen eins über den Helm zu zimmern!

Ein Schwerttrainer aus England hat mal zu mir gesagt, das er so nicht kämpfen könnte...viel zu viele Regeln!

 

Aber egal welches Kampfsystem angewendet wird: Keiner dieser Regeln können den Realismus eines Waffenangriffs geschichtlich korrekt wieder geben...

Denn unsere Waffen sind alle stumpf, nicht spitz und keiner von uns muss nach dem Kampf tot vom Schlachtfeld getragen werden! Wir üben einen Kampfsport aus, kein System ist besser als das andere, keins schlechter...es ist wie beim American Football: Der Ball ist ein Ei, so wie beim Rugby, nur die Regeln sind anders!

 

Zu den Regeln des Codex Belli: 

 

In freien Gefechten treffen Kämpfer aller Stile und Kenntnisstände zusammen. Obwohl Unfälle beim Umgang mit Stahlwaffen nicht vollständig auszuschließen sind, haben sich nachfolgende Regeln bewährt, um das Verletzungsrisiko so klein und den Spaßfaktor so groß wie möglich zu halten.


Trefferzone CB

 

1. Waffen:

 

a. Waffen fallen in eine von vier Kategorien:

 

i. Hiebwaffen: Waffen mit Stahlklingen zu einer oder zwei Händen (Schwert, Langschwert, Axt, Langaxt, Sax,..)

ii. Stangenwaffen: Langwaffen mit Stahlköpfen zu zwei Händen (Speer, Helebarde,..)

iii. Fernkampfwaffen: Bögen und Armbrüste sowie Schleudern

iv. Verbotene Waffen: Feuerwaffen, Leichtmetall-, Latex- oder Carbonwaffen sowie Wucht- und Kettenwaffen (Keulen, Flegel,..), Peitschen

 

b. Erlaubt im Nahkampf sind Hiebwaffen und Stangenwaffen mit Stahlklinge, die eine Schlagkante von mindestens 2 mm aufweist und so abgestumpft ist, das ein Eindringen in Kettengeflecht mit Ringen von 8 mm Innendurchmesser ausgeschlossen ist.

 

c. Erlaubt im Fernkampf sind Fernkampfwaffen, die die Zugkraft eines 50 lbs -Langbogens nicht überschreiten. Es dürfen nur Pfeile oder Bolzen genutzt werden, die mit einem Schaumpolsterkopf ausgestattet sind. Der Kopf muss einen Durchmesser von mindestens 50 mm haben und auf einem fest mit dem Schaft verbundenen Kunststoffinnenkern aufbauen. Ein Eindringen der Spitze in die Augenhöhle und ein Splittern des Schaftes beim Abschuss oder Einschlag muss ausgeschlossen sein. Schleudergeschosse dürfen nicht schwerer als 80 g sein, dürfen nicht in die Augenhöhle eindringen können und müssen eine Schaumpolster- oder Filzoberfläche haben (Beispiel: Tennisball).

 

d. Zugelassene Waffen dürfen keine strukturellen Beschädigungen oder übermäßige Scharten aufweisen.

 

e. Verbotene Waffen dürfen nicht eingesetzt werden.

 

2. Rüstungen und Ausstattung:

 

a. Der Mindestrüstungsschutz im Nahkampf besteht aus gepolsterten Handschuhen und Kopfschutz. Der Mindestkopfschutz ist eine unterpolsterte Kettenhaube oder ein eisenverstärkter Lederhelm. Kämpfer, die nicht den Mindestrüstungsschutz tragen, dürfen am Nahkampf nicht teilnehmen.

 

b. Körperschutz, besonders Schutz der Unterarme und Gelenke, wird dringend empfohlen!

 

c. Verboten sind Schilde und Rüstungen mit Dornen oder scharfen Kanten.

 

d. Gefährliche Gegenstände (Messer,..) dürfen grundsätzlich nicht mitgeführt werden.

 

3. Verhalten:

 

a. Erlaubt sind Schläge mit Hiebwaffen zum Schild und Körper.

b. Nicht erlaubt sind Stiche mit Hiebwaffen auf die obere Hälfte des Schildes und zum Körper sowie Schläge und Stiche zum Kopf oder Hals.

c. Erlaubt sind Schläge und Stiche mit Stangenwaffen auf die untere Hälfte des Schildes oder den Körper unterhalb des Brustbeins, wenn die Waffe abwärts geführt wird.

d. Nicht erlaubt sind Schläge und Stiche mit Stangenwaffen auf die obere Hälfte des Schildes, zum Kopf, Hals oder auf den Körper oberhalb des Brustbeins, sowie das Führen der Waffe aus einer unteren Position (Aufwärtsstich, Aufwärtsschlag).

e. Erlaubt sind gezielte Schüsse mit Fernkampfwaffen auf den Schild und den Körper unterhalb des Brustbein.

f. Körpereinsatz zum direkten Angriff (Tritte, Faustschläge,..) ist nicht erlaubt.

g. Der Einsatz von gefährlichen Gegenständen (Fußangeln,..) ist nicht erlaubt.

h. Die Teilnahme an einem Gefecht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss ist nicht erlaubt.

i. Faires Verhalten ist Voraussetzung für ein gelungenes Gefecht. Wir kämpfen als Partner, nicht als Feinde!

j. Angriffe auf Fernkämpfer, die den Mindestrüstungsschutz nicht tragen sind anzudeuten.

k. Nichtkämpfer werden nicht bekämpft.

 

4. Sonstiges:

 

a. Die Sicherheit der Waffen und Ausrüstung wird durch Kontrollen gewährleistet.

b. Erste Hilfe Ausstattung muss vor Ort sein. Jeder Kämpfer soll ausgebildeter Ersthelfer sein.

c. Minderjährige Kämpfer bedürfen der Zustimmung des Erziehungsberechtigten.

d. Anordnungen der Kampfrichter ist unbedingt Folge zu leisten.

e. Der Veranstalter hat das Hausrecht.

f. Jeder Kämpfer ist dafür verantwortlich, dass Zuschauer nicht gefährdet werden.

g. Eine Trefferregelung ist nicht Bestandteil der Schlachtregeln und ist gesondert abzustimmen.

 

Diese Regeln gelten dem Schutz und dem partnerschaftlichen Miteinander der Kämpfer und Nichtkämpfer im freien Gefecht.